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Wirtschaft

Äthiopien gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 100 US-Dollar (Deutschland: 27.000 US-Dollar) zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (Least Developed Countries, LDC). Rund die Hälfte der gesamten Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze. Die strukturellen Probleme des Landes - Dürreperioden, rasches Bevölkerungswachstum, schlechte Infrastruktur - sind ungelöst. Zudem haben die Folgen der blutigen Auseinandersetzungen innerhalb Äthiopiens wie mit dem Nachbarn Eritrea das Land in seinem Entwicklungsprozess zurückgeworfen. Äthiopien bleibt von den Leistungen internationaler Geber, insbesondere der Weltbank und der EU abhängig, die ca. 40% des Staatshaushalts finanzieren.

Äthiopien ist stark agrarwirtschaftlich geprägt. Die Hälfte des Bruttosozialprodukts, rund 60% der Exporte und ca. 80% der Erwerbstätigkeit entfallen auf den landwirtschaftlichen Sektor. Die Produktivität ist nicht zuletzt aufgrund der traditionellen Arbeitsmethoden erschreckend gering. Wichtigstes Anbauprodukt ist der Kaffee, dessen Bedeutung für den Außenhandel in den vergangenen Jahren allerdings wegen des niedrigen Weltmarktpreises von rund 70% (1997/1998) auf unter 40% an den Exporten zurückgegangen ist. Zu den weiteren Ausfuhrprodukten gehören in geringen Mengen auch Gemüse, Obst und Zuckerrohr; für die Selbstversorgung werden Getreide - insbesondere die Hirseart Teff (Wikipedia) -, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und Ensete-Bananen angebaut.

Trotz großer Bestände spielt die überwiegend nomadisch betriebene Viehhaltung eine untergeordnete Rolle. Im schwach entwickelten industriellen Sektor werden überwiegend Nahrungsmittel, Getränke, Textilien und Lederwaren für den Binnenmarkt produziert.

Collage: Landwirtschaft
Die Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Kaffee (obere Reihe),
ist der mit großem Abstand wichtigste Wirtschaftssektor Äthiopiens

Nach Auffassung der äthiopischen Regierung lässt der Entwicklungsstand des Landes eine liberale Wirtschaftsordnung noch nicht zu. Zwar wurden erste Schritte in Richtung einer marktwirtschaftlichen Öffnung - Freigabe der Preise, Zulassung von Privatunternehmen - unternommen, doch übt die Regierung weiterhin durch staatliche Monopolunternehmen, parteinahe Unternehmensgruppen und eine kontrollierende Bürokratie beherrschenden Einfluss auf das Wirtschaftsleben aus. Nicht zuletzt aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen - nach der Verfassung des Landes ist privater Grundbesitz unzulässig - schrecken potenzielle ausländische Investoren vor einem stärkeren Engagement in Äthiopien nach wie vor zurück. Immerhin haben die Preisfreigabe für Agrarprodukte und deren freie Vermarktung zu einem merklichen Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion geführt (Länderinformationen des Auswärtigen Amts).

Letzte Aktualisierung: 09.04.2008