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Geta ye barekatchu - der Herr segne Euch!

Von Dr. Claudia Kuhnhen

Diese und ähnliche amharische Worte haben uns, die Delegation des Kirchenkreises, drei Wochen lang begleitet und auch:Im Gottesdienst (1) hört nicht auf mit Eurer Hilfe, die ohne Diskriminierung kommt und unsere Kinder zu "human beings" macht - menschlichen Wesen -, die jetzt Kleider haben wie alle anderen Kinder auch! Exiabehir ye mesgen - dem Herrn sei Dank! Dies hörten wir auch in Keraniyo, der "jüngsten" Gemeinde in dem Straßenkinder-Projekt des Kirchenkreises Marburg Land, deren 49 Kinder erst 1998 aufgenommen wurden - in das dort so genannte "FR-Program", "Family Reunification Program". Dieser Name trifft den Kern der Sache viel besser, denn Familien können zusammen bleiben, Kinder können in ihren Familien bleiben und werden eben nicht zu "Straßenkindern", wenn unsere Hilfe kommt. Hier war 1998 mein erster Einsatz in der damaligen "Plastikplanen-Wellblechdach-Kirche". Und weiter hören wir: kommt wieder und gebt nicht auf, Gelder für unsere Kinder zu sammeln! In Keraniyo gibt es inzwischen einen Chor, der für uns gesungen hat und ein festes Gemeindehaus!

Alle 21 Gemeinden haben wir in drei Wochen besucht: 11 im Land bis hin zur somalischen Grenze: u.a. Harar, das Zentrum des Islam dort, Jijiga und Dire Dawa, Kachisi im Nordwesten, 10 Gemeinden im Stadtgebiet von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens.Im Gottesdienst (3) In den Gemeindehäusern, manchmal nur Wellblech- oder Lehmhütten, warteten die Kinder und die Eltern oder Großeltern auf uns, die Gemeindeleiter der evangelisch-lutherischen Mekane-Yesus-Kirche und die Koordinatoren für unser Programm. Bei unserer Ankunft wurden wir freudig begrüßt, mit Klatschen, Singen oder einige Male mit einem Blumenstrauß! Jedes Mal wurden wir vorgestellt von Ato Daniel, dem Sozialarbeiter, der nur für unser Programm arbeitet und dann haben wir erzählt, wie wir hier im Kirchenkreis das Geld von einzelnen Menschen, durch Kollekten oder Einzelaktionen wie "Schuhe putzen" auf dem Grenzegangsfest in Wetter 2001 einsammeln. Wir haben biblische Geschichten erzählt, Bilder von Kindergottesdienstkindern als Grüße von unseren Kindern mitgebracht und Geschenke: Kugelschreiber - 1014 Stück - einen für jedes Kind! Mit tiefer Verbeugung nehmen die Kinder sie in Empfang, denn sie sind wertvoll! Uns gibt es immer einen leichten Stich ins Herz - wie achtlos gehen wir mit einem Kugelschreiber um, der uns geschenkt wird! Nicht nur zum Lernen, auch zum Spielen bringen wir etwas mit: Zwei Frisbee-Scheiben für jede Gemeinde und ein Schwungtuch mit Ball, wozu wir Spiele und Anwendung vormachen müssen! Ato Daniel, der uns drei Wochen lang von englisch zu amharisch übersetzt, hat Spaß an den Spielen und erfindet bald selbst neue Anwendungsmöglichkeiten: "and-sost-hulet-1-2-3" und auf geht's zum Fangen mit dem Tuch!

Im Gottesdienst (3)Wir singen zusammen auf amharisch: amesgenu Jesu sin - preisen lasst uns Gott den Herrn - Halleluja - und Martin Zekl begleitet uns auf der neuen Gitarre, die wir am Ende einer Gemeinde schenken. Wir freuen uns, dass in einigen Gemeinden die Chöre auch wieder von Trommeln begleitet werden, neben Keybord und Gitarre. So erleben wir in Wolliso einen wunderbaren Lobpreis im Sonntagsgottesdienst, nachdem ein junges Mädchen in der Liturgie ihr Leben Christus anvertraut hat und die ganze Gemeinde dies im Lobpreis feiert!

Kes GirmaNach 21 x Kinderprogramm fällt uns der Abschied beim letzten Mal in Bole Kotobe bei Kes (Pfarrer) Soboka schwer: wir werden die großen Kinderaugen vermissen, die wunderschönen "Zopf-Landschaften" auf den Köpfen der Kinder, die sich extra für uns schön gemacht haben! Ein Chor junger Leute von "unseren Kindern" singt für uns, am Schluss segnet uns die ganze Gemeinde stehend mit erhobenen Händen: für unser Kommen, für unseren Dienst, für eine gesunde Heimkehr nach Deutschland und durch uns alle Spender im Kirchenkreis! Wir sind bewegt und bei Rose Haizmann und mir fließen die Tränen der Dankbarkeit und des Abschiednehmens.

Bei unserer Rückschau und dem folgenden Workshop mit allen Koordinatoren, der in der German Church Gemeindehalle bei Krauses stattfand, wird eines deutlich: die Hilfe aus Marburg-Land kommt in den Familien und bei den Kindern an. Mit insgesamt 15 Euro pro Monat und Kind kann man Nahrung, Kleidung und Schuhe, heute meist die überall vorgeschriebene Schulkleidung, Schulmaterial und medizinische Hilfe bezahlen. Nur ein kleiner Teil davon ist für den Sozialarbeiter, der im Monat 130 Euro Gehalt erhält, was im Land durchaus angemessen ist, und für die Verwaltung und Verteilung der Mittel, das heißt Kontoführung, Abrechnungsberichte. Eine große Bitte wurde immer wieder an uns herangetragen: könnt Ihr nicht wieder eine Berufsausbildung bezahlen wie von 1997 bis 2000? Wie sollen unsere Kinder nach der Schule weiterkommen und einen Beruf erlernen? Nehmt es mit auf Eure Herzen!! Diese Frage gebe ich gerne weiter an uns alle!

Personengruppe mit Pfr. Krause im Hochland

Es ist wichtig für uns und unsere Partner, dass wir von Zeit zu Zeit kommen, daß wir mit der Hilfe "Gesichter" verbinden, Namen und Menschen dahinter stehen. Jeder Besuch ist eine Herausforderung und eine große Freude zugleich!

Möge der Herr Geber und Gaben weiter segnen! - Geta ye barekatchu!

Äthiopische Bauern beim Pflügen

Dr. Claudia Kuhnhen war Mitglied der Delegation, die im Oktober 2004 die vom Kirchenkreis Marburg-Land unterstüzten äthiopischen Gemeinden besuchte. Der Bericht ist ursprünglich in der "Glocke", dem Gemeindebrief des Kirchspiels Wetter, erschienen.

Letzte Aktualisierung: 04.11.2007